Ich möchte an dieser Stelle mal kurz ein wundervolles Buch vorstellen, dass bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Das Werk hat den tollen Titel ”Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” und ist von Richard David Precht. Ich weiß gar nicht, wo und wie ich anfangen soll, euch das Buch zu präsentieren. Es ist ziemlich komplex und es zusammenzufassen fällt mir ziemlich schwer, denn ich konnte vom ersten Lesen gar nicht die ganze Ausbeute der neuen Erkenntnisse aufnehmen.
Also in dem Buch wird der Leser, Schritt für Schritt an die großen philosophischen Fragen herangeführt. Die da unter anderem wären: Was ist Wahrheit? Woher weiß ich, wer ich bin? Warum soll ich gut sein? Dürfen wir Tiere essen? Gibt es Gott? Was ist ein glückliches Leben? Und: Hat das Leben einen Sinn? Dazu stellt Precht die bedeutendsten Philosophen der Geschichte vor und wie ihre verschiedenen Denkweisen die Philosophie in immer höhere Sphären gebracht hat. Dabei wird ausführlich berichtet wie die Philosophen diese großen Fragen auf ihre persönliche Art und Weise beantwortet haben. Das Werk berichtet dabei von A wie Aristoteles bis W wie Wittgenstein und stellt verschiedene philosophische Ansichten gegenüber.
Neben vielen anderen Stellen im Buch hat mich ein Zitat mit am meisten beeindruckt, da es mir die große Angst vor dem Tod etwas genommen hat. ”Gewöhne dich daran zu glauben, dass der Tod keinen Wert für uns hat. Denn alles was gut, und alles was schlecht ist, ist Sache der Wahrnehmung. [...] Solange wir da sind, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da.” Diese geistreichen Worte sind von Epikur (geb. 341 v. Chr. auf der griechischen Insel Samos). Es ist nicht wirklich viel von ihm bekannt, nur dass er ein ziemlicher Genussmensch war und im hier und jetzt gelebt hatte. Um diesem zu frönen, hatte er einen ominösen Garten namens Kepos mit dem Motto ”Tritt ein, Fremder! Ein freundlicher Gastgeber wartet dir auf mit Brot und mit Wasser im Überfluss, denn hier werden deine Begierden nicht gereizt, sondern gestillt.”
Ich möchte das Werk gar nicht weiter auseinander klarmüsern, da jeder der sich für das Werk interessiert seine eigenen Erkenntnisse aus dem Buch sammelt. Diese individuellen Erkenntnisse will ich nicht durch meinen persönlichen Endruck mit Vorurteilen und Erwartungen verfälschen. Ich sag nur soviel: Das Buch hat mir auf alle Fälle neuen Zündstoff für stundenlange Überlegungen gegeben und schenkte mir die wundervolle Möglichkeit, mal wieder über sich und seine Persönlichkeit nachzudenken. Dabei vermischten sich meine Erkenntnisse, die ich schon im Leben gesammelt habe, mit denen, die im Buch zusammengetragen werden und jetzt musste ich nur noch überlegen, ob diese neuen Denkweisen eine Bereicherung sind oder nicht. Es war für mich nicht das letzte Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe.
Es klingt auf jeden Fall nach einem sehr interessanten Buch. Aber ich kann nicht sagen, ob diese Philosophen letztendlich so sehr unser Handeln bestimmen oder zu einem besseren und verständnisvolleren Leben beitragen können. Meiner Meinung nach sollte jeder seine eigene Philosophie aufstellen und dadurch die Welt besser begreifen, anstatt zu sehr auf die Philosophie eines anderen zu vertrauen.
@ Marcel: Klingt echt gut. Wenn ich das nächste mal in eine Buchhandlung gehen sollte, werde ich auf jeden Fall dran denken.
@ Henry: Wenn man von einer, nämlich seiner, Sache voll überzeugt ist, sollte man auch versuchen andere davon zu überzeugen. Das beziehe ich auf Religion, plitische Meinung und auch der Lebensphilosophie. Deswegen denke ich, dass uns Philosophen auf jeden Fall weiterbringen. Zum Beispiel, indem sie Fragen stellen, die uns erst zum Nachdenken anregen.
@Matti: Ich sehe das Problem darin, dass die meisten heute gefeierten Philosophen in einer völlig anderen Gesellschaftsordnung gelebt haben und dadurch auch nur die Fragen ihrer eigenen Zeit stellen konnten. Für unsere Zeit sollten eigene Fragen formuliert werden und werden auch formuliert. Deshalb sollte man in der Philosophie eher zukunftsgewandt ausgerichtet sein.
Ich kritisiere also nicht die Philosophen an sich, sondern nur die vorgestellten Philosophen dieses Buches. Es mag ja für den Geschichts- und Gesellschaftsunterricht nicht schlecht sein, sich mit bestimmten Philosophen der Vergangenheit zu beschäftigen, für eine moderne Ethik sind sie meiner Meinung nach aber nur noch bedingt zu gebrauchen.
Wenn man ihre Fragen, nicht aber ihre Antworten aufgreift schon.