Eigentlich war ich in der Schule sehr gut, habe aber oft nur das Nötigste erledigt. Meiner Meinung nach, kann ich nur etwas leisten, wenn ich mich selbst super finde und dafür brauche ich eben Zeit. Zeit, um mich super zu finden und Zeit auch mal nichts zu tun und sie mit Freunden aus dem Fenster zu werfen als hätte ich Massen davon.
Ich fand die Schule und das Lernen also nie wirklich wichtig und trotzdem habe ich das Ganze zufriedenstellend beendet. Doch auch wenn ich mal Etwas überdurchschnittlich gut absolviere, höre ich eine innere, sonst recht unpräsente Stimme, die mir zuflüstert: “Aber jemand war besser als du, hättest du doch nur mehr gelernt!”. Und auf einmal finde ich mich nicht mehr so super. Dann kommen mir Zweifel und ich überlege, ob ich die Sache mit dem Lernen doch ernster nehmen sollte.
Aber sobald die nächste Prüfung wartet, warte ich mit ihr. Solange, bis wir uns quasi schon Auge in Auge gegenüberstehen. Dann reiße panisch meine schlampig geführten Unterlagen nach oben und versuche gebetsmühlenartig noch irgendwelche Fakten in meinen Kopf zu bekommen. Wenn die Zeit aber nicht mehr ausreicht, denke ich: “Ach, die Prüfungen davor habe ich schließlich auch geschafft. Vielleicht habe ich sogar Talent hierfür und es wird das allerbeste Ergebnis, das überhaupt jemals erzielt wurde.” Genau mit dieser Gewissheit, dass ich ein in mir schlummerndes Talent besitze, welches nur auf diese Prüfung gewartet hat, um mich letztendlich mit seiner weichen Schnauze Richtung Nobelpreis zu schubsen, lege ich dann die Unterlagen beiseite und werfe meine Zeit ins Internet, das dadurch noch größer zu werden scheint.
Außerdem bin ich ja nicht nur unglaublich schlau, also auf Gebieten, die mir selbst noch nicht ganz bekannt sind, sondern habe noch viel mehr verborgene Talente, doch leider gehören Basketball, Tanzen, realistische Malerei und Graffiti bei weitem nicht dazu. Wenn ich mich allerdings solch einem neuen vermeintlichen Talent zuwende, dann mit einer Ernsthaftigkeit und Begeisterung, die selbst Profis in die Knie zwingt. Denn schließlich werde ich gleich merken, dass ich nichts anderes lieber mache und nichts Vergleichbares so eine Erfüllung für mich ist, wie diese Tätigkeit. Ich muss nicht weiter erwähnen, dass ich natürlich dazu geboren wurde. Meist verkleide ich mich entsprechend meiner neuen Passion und dann kann es los gehen!
Meistens passiert dann nicht viel, eigentlich ist bis jetzt noch nie etwas passiert. Vielleicht weil ich nur ein paar Stunden das mache, wovon ich glaubte, es unfassbar gut zu können. Es ist zu schwierig, zu mühsam und so gar nicht das, was ich mir darunter vorgestellt habe. Dann lege ich den Basketball und mein Basketballbandana, meine Streetdance-Sachen sowie meine Spraydosen wieder in den Schrank. Doch anstatt mich wirklich weiter damit zu beschäftigen und wenigstens kleine Talente auszubauen, rede ich mir ein, dass da draußen etwas ganz anderes auf mich wartet, etwas viel größeres und bedeutenderes als Basketball oder realistische Malerei und ich lächle.
Mal mit “Talent” bei Google eingeben probiert? :-)
Ich stelle mir vor wie du am Footballfeld stehst und dir denkst: “Das kann ich bestimmt besser als die Stümper da auf dem Platz. Ich glaube Football ist genau das Richtige für mich!”
@ Marcel: Ein Glück für diese Amateure, dass ich mich nicht auf sie werfe! Gleiches gilt auch für Snowboarden. :)
@Matti: Welche Erkenntniss soll mir die Google-Suche bringen?