Immer, wenn ich mich mit anderen Menschen etwas tiefgreifender unterhalte, kommt es oft dazu, dass ich ein bestimmtes Gefühl oder einen Sachverhalt dem anderen Menschen nicht übermitteln kann. Zwar bekommt er ein Bild davon, was ich meine, aber das Gesamtbild ist bei ihm im Kopf ein anderes, als in meinem. Es sind meist Nuancen, die zwar das Gefühl nur minimal beeinflussen, das Gesamtbild aber grundlegend verändern. Und eben dieses Gesamtbild, basierend auf den kleinen Details, kann ich dem anderen Menschen nicht klarmachen.
Was mich ärgert ist, dass ich das daraus resultierende Missverständnis nicht selten mit der Minderwertigkeit meines Gesprächspartners begründe. Immerhin bin ich derjenige, der dem anderen etwas nicht begreiflich machen kann, weil es mir an etwas mangelt. Klar kann man argumentieren, dass jede einzelne Sichtweise auf die Welt einzigartig ist, weil jeder Mensch ja andere Erfahrungen mit eben dieser gemacht hat. Deshalb kann man bestimmte Eindrücke und Gefühle nur selber machen und nachvollziehen, anderen Menschen fehlt diesbezüglich der “Hintergrund”.
Aber es beeinflusst mich auch einfach sehr in meinem Umgang mit anderen Menschen, weil ich, wenn ich ersteinmal merke, dass ich wiedermal nicht beschreiben kann, was ich im Gesamtem für ein Gefühl meine, wenig Lust habe das Gespräch weiterzuführen und gebe meinem gegenüber, das dann auch recht deutlich zu verstehen. Es ist auch einfach unglaublich nervig, wenn man entweder ständig Abstriche machen muss bezüglich des Gesprächsinhaltes, weil man selber nicht in der Lage ist, besimmte persönliche Eindrücke so zu schildern, wie man sie im Kopf hat, oder sich dessen bewusst, dass man teilweise das gleiche Erlebnis ganz anders fühlt, ohne es beschreiben zu können, weiter darüber zu unterhalten. Sehr unbefriedigend.
Insgesamt haben sich mir bisher erst drei logische Erklärungsweisen angeboten. Zum einen die Tatsache, das im Grunde jeder das Problem hat, es aber nicht mitbekommt, oder es aber ignoriert. Dass es quasi in der Natur des Menschen liegt, dass jeder andere Eindrücke sammelt und somit das Leben anders wahrnimmt, somit kann man nicht dazukommen, dass jeder jedes Gefühl des anderen komplett nachvollziehen kann. Zum zweiten, dass es vielleicht auf ein psychisches Problem ist, dass mich damit konfrontiert, dass Gefühl zu bekommen, den anderen Menschen nicht mehr meine Sicht der Dinge erklären zu können. (Zugegeben, damit könnte ich niemals anfreunden.) Und zu dritten, die wohl warscheinlichste Variante, meine Wahrnehmung der Welt lässt sich durchaus anderen Menschen erklären, aber nicht durch ein reines Gespräch, sondern durch Bilder, Musik oder Erlebnisse, die man mit dem anderen gemeinsam durchlebt. Sodass mein bisheriges Gefühl, meine Wahrnehmungen in meinem Kopf nicht anderen Menschen komplett schildern zu können, darauf beruht zu schnell aufgegeben zu haben.
Ist es so schlimm, wenn der Gegenüber nicht genau das selbe versteht?
Ich glaube, irgendwie geht es den meisten Menschen so, es ist nur die Frage, ob die meisten Menschen sich auch so kompliziert erklären wollen.
Ich persönlich finde aber auch, dass es etwas Gutes hat, niemandem genau erklären zu können, wie man sich fühlt. Das bedeutet nämlich, dass dir immer ein kleines bisschen von dir selbst nur für dich selbst bleibt und das eine Menge Wert, denke ich.
In den wenigsten Augenblicken wird jemand genau wissen, was in dir vorgeht und wenn, dann sind das ausschließlich Augenblicke, in denen du der Andere dich auch ohne Worte versteht.
Denke ich…
:)
Hm, ein “du” zu vie und ein “ist” zu wenig…
Vieleicht sollte ich anfangen nicht mehr gleich nach dem Aufstehen Einträge zu kommentieren…
Ah nein, nachmittags habe ich dieselben Probleme…
Ich habe persönlich überhaupt keine Schwierigkeiten damit, ein Problem oder ein Gefühl bis ins kleinste Detail auszuformulieren, oder darüber so lange zu reden, bis der andere ein ungefähres Verständnis von dem besitzt, was ich vermitteln wollte.
Allerdings gibt es jedoch keine Methode, mit der man herausfinden kann, ob mein Gegenüber es nun wirklich verstanden hat. Man kann sich annähern, ja, und Erfahrungen austauschen. Und wenn man Glück hat und merkt, dass dieselbe Erfahrung mit denselben Wörtern beschrieben wurden, sich kurzzeitig darüber freuen. Das hilft einem aber leider so überhaupt nicht weiter.
Für mich stellt sich deshalb hier vielmehr die Frage nach der Wichtigkeit der einzelnen Begriffe. Du müsstest konkrete Situationen anführen, in denen du etwas nicht beschreiben konntest. Das würde es vermutlich verständlicher machen. – Das würde eben aber auch absolut nicht funktionieren, weil dein Problem ja genau darin besteht, dass du eben keine Beispiele anführen kannst. Blöde Situation.
Wie gesagt: ist es so wichtig?