Zukunft

Xesier

3

Niemanden auf die Füße treten

/ / ,

Nennt mich den Kobold von Xesier. Ich komm hier an wann ich will, halte mich an keine Abgabelisten und tu was mir gefällt. Ich belege derzeit das Studienmodul “Filmkritik,” wo natürlich auch so manche Filmkritik entsteht. Und wenn mir mal mein Schreibkram dann doch mal gefällt und sogar bei der Auswertung gut wegkommt, werde ich die oder beim Vierfachantrieb veröffentlichen. Was wo und wann entscheide ich dann nach Laune. Und nun viel Spass

Es ist ein Tanz, den sie aufführen. Wenn sich die Umlaufbahn des Planeten Melancholia mit der der Erde kreuzt, dann erinnert das an Walzer, dieses ständige Umkreisen. Wie es scheint, führt dabei Melancholia diesen Tanz an. Am Ende treffen die Partner in einer Kollision aufeinander und die Erde wird darin untergehen, höchstwahrscheinlich auch Melancholia. Das große Finale von Lars von Triers neustem Film „Melancholia“ erinnert mich aber nicht nur an mein eigenes Tanzverhalten während meines Abiballs, wo ungewollte Kollisionen mit den Füßen der Tanzpartnerinnen an der Tagesordnung standen. Dieses Weltuntergangsszenario spiegelt auch den inneren Konflikt wieder, den ich mit meiner Meinung zu „Melancholia“ habe.

Es umkreisen sich in meinem Kopf, all die positiven Gedanken, die zu diesem Film hatte und habe, aber leider gibt es dort auch eine Meinung in mir, die vieles zu Bemängeln hat. Und, ich fürchte, wenn in dieser Kritik beide Pole aufeinandertreffen, endet diese Begegnung in totaler Vernichtung beider Meinungen. Was übrig bleibt, sind einzelne Versatzstücke, die still in einem leeren Raum umher gleiten. Wie Trier seinem Film, das überraschende Ende nimmt, indem er die Zerstörung der Erde schon in den ersten zehn Minuten von Melancholia zeigt, so nehme ich wahrscheinlich hier das Ergebnis meiner Kritik voraus. Ich werde kein eindeutiges Fazit haben.

Was in Melancholia an Bildgewalt geschaffen wird, habe ich wahrscheinlich noch nie so schön und trotzdem dabei so bedrohlich in einem Film erlebt, wie hier. Wenn Trier durch Melancholias blaues Strahlen, ganze Schauplätze in ein unbekanntes Licht wirft, dann kann ich beinahe das Flimmern auf der Haut spüren, die dieser Planet abgeben muss. Ich versteh die Faszination, die Justine ergreift, aber ich fürchte mich aber auch vor dieser Bedrohung, die immer näher auf einen zufliegt. Und anscheinend findet auch Trier seinen Planeten Melancholia sehr gelungen. Denn er zeigt ihn ständig. Alle paar Minuten scheint er darin erinnern zu wollen, dass es da ja noch einen gigantischen Planeten gibt, der die Erde vernichten wird. Wenn aber zum gefühlten zehnten Mal der blaue Planet gezeigt wird, wiedermal mit Wagners „Tristan und Isolde“ unterlegt, dann wandelt sich da bei mir das Gefühl von Bedrohung zu einem genervt sein, das darin endet, dass ich zeitweise die Leinwand anschreien möchte mit Sätzen, wie „Na komm doch endlich Melancholia, zeig mir, was du so drauf hast!“ Vielleicht verbinde ich aber auch einfach zu viele Bay und Emmerich Filme mit der Weltuntergangsthematik.

Ein weiteres zweischneidiges Schwert sind die Charaktere für mich. Was da Kirsten Dunst als Justine und Charlotte Gainsbourg als ihre Schwester Claire leisten, ist wirklich beachtlich. Der Charakter von Justine scheint die Verkörperung des Planeten Melancholias zu sein. Das blaue, kalte Licht scheint sie förmlich aufzuschlingen, um dann die gesamte Persönlichkeit in eben dieser Kälte darzustellen. Doch ich verliere damit zusehends den Bezug zu Justine. Während der anfänglichen Hochzeitsfeier lerne ich genug Gründe kennen, um ihren Charakterwandel zu verstehen, und trotzdem kann ich nicht nachvollziehen, wie man dem Untergang der Welt so gleichgültig gegenüberstehen kann. Der Gegenpol dazu ist Claire. Als klar ist, dass das Ende der Welt kurz bevorsteht, versucht sie mit dem Auto zu fliehen. Natürlich hat dieses Verhalten ungewollt komödiantische Züge, doch kann ich damit mehr anfangen, als stille Akzeptanz. Vielleicht liegt es daran, dass alle anderen in Film Melancholia unglaublich ruhig und berechnend handeln, aber Claire erscheint in vielen Szenen schon überzogen hysterisch. Was schade ist, denn so bleiben von den Schwestern nur ihre grundlegenden Charakterzüge in Erinnerung. Gleichgültigkeit und Hysterie.

Vielleicht wollte von Trier gerade das Erreichen. Eine Kollision der Meinungen. Einen Film schaffen, der für Gesprächsstoff sorgt, vielleicht sogar für Streitereien. Ich habe mit vielen Leuten über diesen Film geredet. Selten hab ich so ein großes Meinungsspektrum erlebt mit den unterschiedlichsten Ansätzen. Vielleicht ist das gerade mein Problem mit Melancholia. Ich sehe den Wald vor lauter Perspektiven nicht.

3 Kommentare

  1. “…dann wandelt sich da bei mir das Gefühl von Bedrohung zu einem genervt sein…”
    -> Das finde ich immer am kritischten an einem Film. Ein Gefühl, eine Meinung zu erzeugen, es es auszureizen, aber nicht zu überreizen, aber auch nicht zu kurz anzuschneiden.
    Wann es aber zu viel wird, hängt wohl vom Zuschauer ab. Das macht es nicht einfacher.

  2. Der Film ist für mich nicht wirklich diskutierbar. Ich sehe einfach nicht diesen großen Film in ihm, den man eben unbedingt auseinandernehmen müsste. Er hat seine triste Umgebung, er hat seine melancholischen Charaktere und auch eine schöne Bedrücktheit – ja, aber das war es dann auch. Kein Meisterwerk.

  3. Ich habe es immernoch nicht geschafft den Film zu schauen, aber hole das demnächst nach. Aber ich erwarte eingentlich nur schöne Bilder :)

Kommentar schreiben