Zukunft

Xesier

- September 2010 -

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Ein Abgrund

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Manche Filme scheinen keine Helden verdient zu haben. Dort werden den Zuschauern Figuren vorgestellt, wo man versuchen würde ihnen nicht in die Augen zu schauen, wenn sie den Bus betreten würden in den man schon sitzen würde. So eine Person ist auch Joseph, die Hauptfigur des englischen Films „Tyrannosaur.“ Joseph trinkt und prügelt sich durch sein Leben. Wir sehen dabei zu, wie er in einem Tobsuchtsanfall seinen treuen Hund tötet, wir müssen erleben wie er Hausverbot in Läden aufgrund seines ungehobelten Verhaltens bekommt und wir müssen ihn in die Augen schauen. Und das ist wahrscheinlich von all den Szenen das unangenehmste. Wenn die Kamera in einem Close up über Josephs Gesicht mit all seinen Falten fährt und auf seinen blauen Augen haftet, dann erkennt man in seinem Blick den Abgrund in dem er sich befindet. Dort ist so viel Wut, soviel Angst und Verzweiflung.

Und dann stößt Joseph auf Hannah. Und ich hoffe und fürchte gleichzeitig, dass sie seine Rettung sein wird. Hoffe, weil ich mir das Leben von Joseph so wie es ist nicht mehr antun kann. Fürchte, weil es mir zu mustergültig für diese düstere Atmosphäre wäre. Die gutmütige Christin, die den zornigen Mann errettet und auftaut. Harte Schale, weicher Kern. Bitte hier nicht. Und so kommt es auch nicht. Am Anfang zerstören sich beide ihre erbauten Welten. Joseph hat verlernt mit Menschen umzugehen, die ihm einfach nur helfen wollen. Und Hannah ist erschüttert von den Zynismus, den ein Mensch in sich tragen kann.

Ich hoffe meine Heldin in Hannah zu finden. Und werde enttäuscht. Was Hannah daheim bei ihrem Mann erlebt, lässt in mir den Wunsch aufkommen zurückzukehren zu Joseph und seinen Prügeleien. Hannahs Mann, James, zerstört sie. Physisch wie psychisch. Und ich wünsche mir plötzlich ein Klischee herbei. Ich will das Joseph bei Hannah zuhause auftaucht. Ich will, dass er diesem Arschloch James die Fresse poliert. Ich will ihn bluten sehen. Und ich merke, ich bin nun doch in das Loch, wo Joseph schon sitzt, hineingestürzt.

„Tyrannosaur“ tut weh. Selbst der Film kann meist nicht anders, als vor Schlägen zusammen zu zucken und die Szene zu wechseln, bevor man den Aufprall der Faust erleben muss. Und trotz all dieser Gewalt, dieser Aussichtslosigkeit versuchen sich Joseph und Hannah am Ende an einem Lächeln. Doch in ihren Augen kann man noch sehen, dass sie in ihren Löchern festsitzen. Vielleicht haben sie sich einfach damit abgefunden. Und ich kann nicht mehr als herabzublicken und mich zu fürchten, vor der Tiefe dieser Abgründe.

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Es wird Zeit

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Was ist Raum und was ist Zeit? Ich bin im Zentrum und alles Andere um mich herum verschwimmt im warmen Licht der Belanglosigkeit. Ich sehe die Silhouette eines kargen Baumes langsam an mir vorbeiziehen. In meinem Mund breitet sich der Geschmack warmen Blutes aus und der Dunst der Vergänglichkeit steigt mir in die Nase. Das schwarze Krächzen in meinem Ohr übertönt die erdrückende Leere, die sich langsam in meinem Inneren ausbreitet. Es fühlt sich so an, als wenn mir langsam die Farbe aus meinen Leben gesaugt wird. Es wird immer blasser und verschwommener. Alle meine erlangten Erfahrungen und Erkenntnisse haben nun keine Gewichtung mehr. Als Kind hatte ich Träume und Wünsche, ich wollte doch noch so viel lernen und erleben, doch wo ist das alles jetzt. Habe ich mich auf dem Weg meines Lebens selbst verloren?

Warum war ich auf der Welt, wenn ich nun doch gehen muss? Es hat mich Niemand gefragt, ob ich das alles möchte. Ich konnte es mir nicht aussuchen, ich war einfach da und nur weil sich zwei Menschen dafür entschieden haben Nachwuchs zu bekommen. Nun kommt der Tod mit einer plötzlichen Endgültigkeit auf mich zu und ich werde langsam müde. Warum steht man am Ende immer alleine da? Doch so alleine bin ich dann doch nicht in Anbetracht der Tatsache, dass mit mir gerade Menschen sterben. Irgendwie komisch, dass sich auch ohne mich Alles weiter drehen wird. Hatte ich eigentlich ein schönes Leben, hätte ich mehr machen sollen? Sind das überhaupt Fragen die ich mir jetzt stellen sollte, aber wenn nicht jetzt, wann dann? Bin ich eigentlich noch der Mensch der ich gestern war, oder habe ich mich durch die Tatsache, dass ich gleich sterben werde verändert? Soll ich positiv oder negativ auf mein Leben zurückblicken und was zeichnete mich als Person eigentlich aus? Ich habe darauf traurigerweise keine Antworten, aber dennoch glaube ich es ist alles gut, denn es ist ja gleich vorbei. Irgendwie sehe ich mein Leben nicht an mir vorbeiziehen. Mir hat mal jemand gesagt, dass man Musik hört wenn es soweit ist. Doch hier ist nur absolute Stille. Kalte Stille.

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Freiheitlich-demokratische Methoden sind etwas anderes

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Durch die Enthüllungen der vergangenen Wochen zum Thema “Rechtsterrorismus” sind auch die sogenannten Verbindungsleute wieder mal in den öffentlichen Fokus geraten. Die Debatte ging dabei eigentlich hauptsächlich darum, dass man die V-Leute in der rechten Szene auflösen soll, da sie aus vielerlei Hinsicht nicht vertrauenswürdig zu sein scheinen oder zumindest im aktuellen Fall nur wertlose Informationen lieferten. Ich selber bin durch diese Diskussion eigentlich das erste Mal richtig auf die Verbindungspersonen in Deutschland aufmerksam geworden und im Grunde gestaltete sich die Auseinandersetzung mit so einem Geheimdienstinstrument etwas schwierig für mich. (weiterlesen)

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Andere Menschen

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Hannes’ Filmempfehlung lässt mich seit einiger Zeit über die Entwicklung des Internets im sozialen Alltag nachdenken. Es geht dabei um einen fünfzehnjährigen Jungen, der sich beim Masturbieren filmt und dessen Leben ruiniert wird, nachdem die Aufnahme durch Unglück und Schikane im Internet landet. Ich war paralysiert. Der Film zeigte mir das absolute Extrem. – Doch ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass wir lernen müssen, mit solchen Veröffentlichungen umzugehen. So schwer es uns auch fallen mag. Das Internet ist einfach zu wichtig. Und ansonsten verspielen wir möglicherweise die große Chance, die es uns bietet. (weiterlesen)

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