Zukunft

Xesier

- loisa555 -

4

Frühlingsgefühle

/ / , ,

Sie liegt auf der Wiese, weil sie nichts Besseres mit sich anzufangen weiß. Die Decke ist weich und aus einer Zeit, in der gallopierende Pfere als Deckenmotiv und kleine Mädchen noch unzertrennlich waren. Sie liest, träumt und versucht sich ihr Leben so vorzustellen, als wäre sie ein siebzigjähriger Professor für Nanochemie, der in Rente geht. Sie lächelt, weil es mit ihrer Realität nichts zu tun hat. (weiterlesen)

~

6

Zeitverschwendung

/ / ,

Ich habe vor ein paar Monaten eine Veränderung an mir festgestellt. Mir ist aufgefallen, dass ich nicht mehr versuche anderen Menschen meine Gefühlswelt aufzudrängen. Zwar rede ich noch, höre nun aber viel mehr zu. Nicke ab und beschäftige mich einfach wieder mit der Tätigkeit, bei welcher ich zuvor unterbrochen wurde. Sollen doch alle machen, was sie wollen. Ich tue es ja auch, doch wenn ich ein Problem habe, es durchdenke, aber trotzdem alles schwierig und nervig bleibt, dann bekommen das nur sehr wenige mit. Ich glaube, dass es die wenigsten interessiert, oder sie mein Problem zu banal finden könnten beziehungsweise auch zu undurchsichtig. Jeder ist auf sich bedacht. Alle wollen berichten, erzählen, gefragt werden! Blöd nur, dass so niemand zum Zuhören und Fragen stellen bleibt, nicht einmal eine dumm grinsende Masse zum Applaudieren bleibt übrig. (weiterlesen)

~

4

“Tat´s weh?”

/ / , ,

Ich verstehe nicht, warum ich Situationen aushalten muss, in denen ich mich nicht wohlfühle, und ich verstehe auch nicht, warum ich mich auf eine Art und Weise verhalten muss, die mir nicht entspricht, nur weil sie von der Mehrheit der Menschen als angemessen angesehen wird.

Wenn jemand “Aua!” plärrt, frage ich nie, ob es weh tat, da ich das dem Geschrei ja schon entnehmen konnte, und wenn ich, beispielsweise auf einem Geburtstag, neue Leute kennenlerne, schaue ich ihnen beim ersten Händedruck fest und prüfend in die Augen. Ich verheimliche demonstrativ meinen Namen, nur, um sie sofort als unaufmerksam, langweilig und desinteressiert einzustufen. Eine völlig richtige Schlussfolgerung, denn bis jetzt hat niemand nachgefragt, wie ich heiße. Mir würde natürlich sofort auffallen, wenn jemand dieses Verhalten ebenfalls anwedet. Er oder sie würde in meiner Achtung um Punkte steigen, die nicht einmal alle Marienkäfer der Welt veranschaulichen könnten.

Ich weiß auch nicht, warum ich vermeintliche Nachbarn grüssen sollte, wenn ich nicht einmal weiß, ob wir in der gleichen Straße wohnen, geschweige denn im gleichen Haus. Ebenfalls empfinde ich Formulierungen wie “Echt?” oder “Wirklich?” als ledigliche Bestätigung meiner These der geistigen Umnachtung. Soll ich auf diese qualifizierte Nachfrage vielleicht das Gesagte komplett wiederholen oder erwartet mein Gegenüber, dass ich jetzt endlich zugebe, dass alles doch nur gelogen war?

Vielleicht sollte ich auch anbringen, dass mir Smalltalk so gar nicht liegt. Ich will reden und reden lassen und nicht das Gefühl von Speeddating haben. “Interessiert ihn das überhaupt?, Hört sie noch zu?, Bin ich zu langweilig?”, sind dann die Fragen die mich beschäftigen. Und um diesen Fragen aus dem Weg zu gehen, lasse ich die Gegenseite einfach plaudern und sammle weiter Eigenschaften, die ich unheimlich anstrengend und sooo angepasst finde. Glücklicherweise kennen meine Freunde schon meinen Namen und sind in der Lage Fragen zu formulieren, die nicht nur ein Wort beinhalten. Neue Leute kennenlernen wird sowieso überbewertet…

~

3

Selbstbetrug

/ /

Eigentlich war ich in der Schule sehr gut, habe aber oft nur das Nötigste erledigt. Meiner Meinung nach, kann ich nur etwas leisten, wenn ich mich selbst super finde und dafür brauche ich eben Zeit. Zeit, um mich super zu finden und Zeit auch mal nichts zu tun und sie mit Freunden aus dem Fenster zu werfen als hätte ich Massen davon. (weiterlesen)

~