Xesier
  • Feed
  • Schlagwörter
  • Suche
  • Wie Millenials den 16h-Tag einführten…

    2026-01-26
    Jonathan

    In einem Land, in dem der einzige Konsens der ist, auf den sich alle 62- bis 80-Jährigen einigen können, haben wir Millennials – und ich schließe euch, liebe GenZs, mal mit ein – es prinzipiell nicht leicht. So dürfen wir uns in regelmäßigen Abständen in diversen „WELT“-, „Stern“-, „Frankfurter Rundschau“, „Tagesschau“- und wie-sie-nicht-alle-heißen-Artikeln erzählen lassen, dass vom Arbeitsethos der Boomer nichts übrig geblieben ist, dass wir Führungsverantwortung ablehnen oder dass wir schlicht arbeitsunfähige Noobs sind.

    Und auch wenn ich regelmäßig auf diesen Ragebait reinfalle, mich danach über mich selbst ärgere und meine Zeit mit genau solchen Artikeln verschwendet habe, nagt seit einiger Zeit ein Gedanke an meinem Gehirn:
    Was, wenn wir wirklich nicht mehr so viel leisten können wie unsere Eltern?
    Was, wenn bei all der Liebe in unserer Erziehung tatsächlich der Biss verloren gegangen ist?

    Naja, zumindest hatte ich diese Zweifel hin und wieder bis zum 27.12.2025.
    An diesem Tag nämlich wurde der „SoulSeeker“-Server von World of Warcraft – wohlgemerkt Classic, also die Version von 2004 – praktisch Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.
    Der Server war vorher international.
    Binnen Sekunden waren alle anderen Nationen marginalisiert.

    An diesem Tag startete das „Sauercrowd-Event„, bei dem ca. 200 Streamer*innen unter der Schirmherrschaft von HandOfBlood, Papaplatte und Metashi12 versuchen, im Hardcore-Modus zunächst Level 60 zu erreichen und anschließend den Raid „Molten Core“ zu spielen, zu dem mindestens 40 bestausgerüstete Level-60-Charaktere benötigt werden. Es ist eine nahezu wahnsinnige Aktion.

    Um euch die Dimensionen dieses Unterfangens einmal näherzubringen: Allein bis Level 60 braucht man in der Classic-Version ca. 250-300 Spielstunden. Da es sich aber um einen Hardcore-Server handelt, bei dem jeder Tod einen vollen Reset des Charakters, also einen Neustart ohne Ausrüstung auf Level 1 bedeutet, sind es netto deutlich mehr Stunden pro Teilnehmer*in.

    Mit dem Start von „Sauercrowd“ brach das große Piratenzeit – äh – Azeroth-Zeitalter an.
    Tausende, wenn nicht Zehntausende Spieler*innen eiferten ihren Idolen nach.
    Mitmachen oder helfen dürfen sie nicht – aber allein parallel zu spielen ist für viele Anreiz genug.

    Quasi über Nacht bildete sich eine mittlere zweistellige Zahl an Community-Gilden (mit passenden Namen wie „Süßcrowd“, „Crowdsalat“, „Sauercrowd Brathering“ etc.). Viele Streamer- und Spielerinnen spielen seit nunmehr drei Wochen 16h/Tag, sieben Tage die Woche, es gibt kein Halten mehr, bis das Ziel erreicht ist.

    Und ganz unironisch:
    Dass, was hier an Arbeit in ein Projekt gesteckt wird – und eben nicht nur von bekannten Streamer*innen, sondern eben auch durch No-Name-Streamer*innen mit wenigen Zuschauern – finde ich sehr beeindruckend. Ähnlich beeindruckend ist auch die Leidenschaft, mit der die neu geformte Community diese Arbeit unterstützt. Leute, die ebenfalls Hunderte Stunden in ein Spiel stecken, die ebenfalls stundenlang pro Tag grinden und ja nicht mal einen Cent dafür bekommen.

    Klar, endloses Computerspiel-Geballere können wir Millenials und GenZs seit Jahrzehnten gut, aber die Organisation zu so einem Event, die Planung und Koordination, die Fehleranalyse finden auf einem Niveau statt, dessen Professionalität man aus meiner Sicht unabhängig vom Inhalt des Spiels anerkennen muss.

    Unterm Strich scheint es also so, dass wir, die jüngere Generation, doch allzu gern bereit sind, unser Privatleben, unsere körperliche Gesundheit über den Haufen zu werfen – wenn der Anreiz stimmt.

    Dass ein Level-60-Hardcore-Charakter in Molten Core für die überwiegende Mehrheit dieser Community als Anreiz völlig ausreicht, sollte unserer Gesellschaft – also nahezu ausschließlich euch Boomern – zu denken geben.

    Den Anreiz der Lohnarbeit hat sie schließlich selbst über Jahrzehnte geformt.

    P.S.: Wenn ihr es bis hierher geschafft habt, habe ich hier noch einmal ein paar meiner persönlichen Highlights bisher:
    1. Der Horror in Tolkins Augen, nachdem er den Pull im Dungeon auf Level 60 verkackt und drei seiner Freunde sterben.

    2. Papaplatte wird Level 60 einfach durch einen random hereinlaufenden Add RASIERT

    3. Exsels random Coversongs um 3 Uhr nachts im Channel von HandofBlood.

    Es grüßt euch Schepperfred, Mensch, Krieger, Level 16, o7, F in den Chat.


  • Wie ging das nochmal?

    2026-01-25
    Wilhelm

    Puhh, ob das hier alles so ne gute Idee war? Als Henry vor ein paar Wochen auf mich zukam und fragt ob ich dabei wäre, einen neuen Blog mit ihm und anderen Interessierten zu starten, erwischte er sofort einen nostalgischen Nerv bei mir. Seit Xesier, also bei mir wahrscheinlich ab 2007 hab ich knapp 10 Jahre auf allerlei Blogs viele Texte verfasst. Hauptsächlich persönliche Geschichten, aber auch mal Kritiken an Filmen und Co, und auch viel schönen Schwachsinn. Klingt ja eigentlich cool, dann lass uns mal wieder starten und da weitermachen.

    Problem ist nur, rückblickend fällt viel, besonders die Jahre 2012- 2016 von dieser Zeit in eine Phase meines Lebens, wo es mir mental gar nicht so gut ging. Texte verfassen, fiel mir da zeitweise von allen Kommunikationsformen noch am einfachsten. Also ist meine Annahme, dass ich damals nur gern gebloggt habe, weil es mir oft Kacke ging und ich so meinen Weltschmerz teilen konnte.

    Jetzt gehts mir aber gerade gut. Versteht mich nicht falsch, ich sehe auch, dass vieles in der Welt absolut vor die Hunde geht und wir gerade auf eine Zukunft zusteuern, die 80er Jahre Filmdystopien in nichts nachstehen. Aber mir als priviligierte Einzelperson, der gehts gerade gut. Ich muss mir keine Sorgen über Heim, Essen, Gesundheit und sozialen Anschluss machen. Klar, bin ich auch nur einen unglücklichen Fahrradsturz davon entfernt, dass dieses Kartenhaus zusammebricht. Aber wie heißt es so schön im meiner Generation der Coolen: YOLO.

    Also bin ich gerade zu satt und zufrieden, um euch hier geilen Content zu bieten. Ach, ja der Content. Letztes Jahr hab ich es geschafft ein Buch vollständig zu lesen. Filme ohne dabei aufs Handy zu schauen, vielleicht so 5. Kino nicht mitgezählt. Da war ich so um die 8 mal vielleicht. Wieviel Zeit hab ich mit Instareels, Youtube Shorts und Redditscrolling verbracht? Wahrscheinlich locker 2 Stunden. Täglich. Call me Poweruser.
    Die einzige Ehrenrettung war das Steam Deck für mich, da hab ich sogar ein paar Videospieltitel drauf durchgespielt. Damit ist aber auf der Medienseite als Vollartikelquelle auch nicht viel zu holen.

    Wie verbleiben wir hier also? Vielleicht schreibe ich ab jetzt nur noch Texte darüber, wie wahnsinnig schwer mir es fällt Texte zu verfassen. Vielleicht ist die Antwort auch einfach K.I. Was soll schon schiefgehen?


  • Und so beginnt es erneut …

    2026-01-13
    Henry
    Und so beginnt es erneut …

    Ich will gar nicht so viel ausholen. Xesier ist zurück, zum 20. Jubiläum. Wow, schon etwas merkwürdig, wenn ich das jetzt so schreibe. Aber 2006 hat das Ganze eben als private Seite von mir angefangen. Eine Seite, auf der ich vor allem meine Projekte und kreativen Arbeiten vorgestellt habe (so etwas findet man jetzt übrigens eher auf meiner Arbeitsseite). Und dann ein Jahr später konnte ich einige meiner Freunde davon überzeugen, dass es eine tolle Idee wäre, wenn sie auch über Themen schreiben, die sie interessieren. Und plötzlich war dieser Blog im Zentrum der Aufmerksamkeit.

    Er war ein Sammelpunkt für Musik, Podcasts, Kurzfilme und Filmreviews, politische Meinungen, schulische Aufreger und viel künstlerische Freiheit. Und auch wenn es mir damals noch nicht bewusst gewesen ist, war der Blog auch ein Ort, zu dem man sich zugehörig fühlen konnte. Schreiben als Tätigkeit, die uns alle zusammenbringt, die dazu beiträgt, dass man sich trotz Verpflichtungen und unterschiedlicher Überzeugungen füreinander interessierte.

    Doch bald schon darauf passierte es. Soziale Medien und vor allem YouTube und Twitch. Und plötzlich bleibt neben kurzen Ausrutschern, in denen man Musik präsentiert, die man das Jahr über auf Spotify gehört hat, kaum noch Energie für längere Texte oder Gedanken. Man ist doch erwachsen geworden. Man hat doch jetzt Partnerinnen und Partner, Kinder sogar. Blogs sind tot, niemand liest mehr irgendwas, außer vielleicht noch Überschriften.

    Aber was soll ich machen? Vielleicht lässt sich das alles noch umkrempeln, wenn man einfach wieder anfängt, zu schreiben. Und dann kommen vielleicht auch wieder andere dazu und man hat wieder etwas, das die Welt insgesamt ein wenig besser macht. Oder zumindest etwas, was erneut ein Gefühl von einem kreativen Zuhause versprüht.

    Ich weiß noch nicht, was hier passieren wird. Vielleicht geht auch alles wieder zugrunde. Aber in der Zwischenzeit kann man es ja trotzdem versuchen. So ein bisschen zumindest. Achso. Wilhelm, Marcel, Jonathan und ich haben uns hier auf einen Beitrag pro Monat verständigt. Nur damit ihr Bescheid wisst.


Xesier

und es geht weiter …

  • Suche
  • Xesier als Feed lesen
  • Datenschutzerklärung
  • Impressum