Spielkompetenz

Die Umsetzung eines Regelsystems ist Bestandteil jeder vollständigen Spielerfahrung. Akteure sind dabei die ausführenden Figuren und Objekte, zu denen auch die Spielerfigur gehört. Ein Spielelement, das die Interaktionsmöglichkeiten der Akteure untereinander oder mit dem Rest der Spielwelt beschreibt, nennt sich Spielmechanik.

Die Spielmechanik ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal von Spielen zu anderen Medien, da sie die Basis für alle Entscheidungen darstellt. Ihr Verständnis ist eng mit der eigentlichen Erfahrung des Spiels verbunden, sodass verschiedene ineinander übergehende Mechaniken ein Spiel einzigartig machen. Sie sind darüber hinaus die Grundlage für das Spielgefühl, das unsere Empfindung einer beeinflussbaren Welt beschreibt, aber auch für unser eigenes selbst konstruiertes Erlebnis innerhalb dieser Spielwelt.

Mechaniken beschreiben eine neue Kategorie bedeutungsvermittelnder Figuren, im Vergleich zu rhetorischen Stilmitteln wie der Metapher oder Filmtechniken wie dem Cut-In. Sie vertiefen zwar ebenfalls den Inhalt verschiedener Situationen, aber sie wirken nicht sofort und auch nicht so offensichtlich wie ihre textlichen oder filmischen Ebenbilder. Dennoch haben die Mechaniken eine direkte Auswirkung auf den Spieler, der sie allerdings zunächst nur als eine Form der Begrenzung seiner Spielfähigkeiten wahrnimmt.

Mechaniken müssen durch Interaktionen mit der Spielwelt entdeckt werden. Dadurch verschieben sie jedoch das Spielerlebnis in den Hintergrund, weil es sich anstrengend gestaltet, die Regeln gleichzeitig zu verstehen, anzuwenden und ihre Bedeutung zu analysieren. Häufig gelten Spielmechaniken für die gesamte Spielzeit und sind von der Steuerung des Spielers abhängig, was sie als Notwendigkeit und nicht unbedingt als bewusste Gestaltungsobjekte erscheinen lässt.

Weiterhin ist das Konzept der Spielmechaniken noch nicht weit genug verbreitet, sodass eine grundlegende Sprache zur Beschreibung von besonderen Spielsituationen immer noch fehlt. Dies könnte teilweise dazu führen, dass Spielmomente übersehen werden, weil Spieler erstens zu wenig von diesen erwarten und zweitens kein ausgeprägtes Gefühl dafür besitzen, was genau dort passiert.

Für mich ist jedoch auch die Abstraktionsebene der Spiele daran beteiligt, da Mechaniken mit einer eigenen Vorstellung der Wirklichkeit arbeiten. Wenn Super Mario beispielsweise zehn Meter hoch springt, dann müssen wir uns zunächst einmal an diese Funktionsweise der Realität gewöhnen. In diesem Prozess übersehen wir vielleicht aber Details, weil unser Kopf mit den grundlegenden Regeln der Welt beschäftigt ist.

Im Gegensatz zu fiktionalen fantastischen Handlungen in Text- oder Filmform schauen wir in Computerspielen anderen nicht nur dabei zu, wie sie uns ein Gefühl dieser Welt vermitteln, während wir in unserer eigenen Vorstellung verharren, sondern wir erleben diese Welt für uns selbst und müssen meiner Ansicht nach einen viel größeren Verständnissprung vollziehen. Dies erfordert auch ein grundlegendes Vertrauen in andere Welten, das allerdings nicht unbedingt aufgebracht werden kann oder aufgebracht werden möchte.

Spielkompetenz versucht dieser Entwicklung Rechnung zu tragen. Sie ist die Fähigkeit des Spielers, Mechaniken den einzelnen Kontexten zuordnen zu können und dennoch nicht die Übersicht der konstruierten Spielerlebnisse und der gesamtheitlichen für alle Spieler ähnlichen Spielerfahrung zu verlieren. Spielkompetenz soll dabei helfen, Spielern mehr zu bieten, als nur reine Unterhaltung, die sich aus dem Erlernen und Ausüben der Mechaniken ergibt. Sie soll Spiele für uns emotional erfahrbarer machen.

Fazit: Spiele sind nicht nur schwer zu erlernen. Sie sind innerhalb dieser Generation auch noch schwer zu verstehen. Während wir mit unserer eigenen Überforderung zu kämpfen haben, entgehen uns aber wichtige Handlungsdetails. Das macht Spiele zwar interessant zu erlernen, aber gleichzeitig auch schwierig als Medium universeller Botschaften ernst zu nehmen.

Als Folge für ein stimmiges Spieldesign muss überlegt werden, inwiefern Tutorials dabei helfen können, die innere Logik eines Spiels vollständig zu vermitteln. Ist eine Einführung neuer Spielmechaniken im weiteren Spielverlauf sinnvoll, wenn sie uns davon abhalten, der Handlung zielführend zu folgen? Muss in Zukunft abgewogen werden, ob die Handlung voranschreitet oder eine neue Spielmechanik eingeführt wird?

Spiele müssen meiner Meinung nach noch einfacher und zugänglicher werden, nicht nur damit sie einen größeren Kreis an Menschen erreichen, sondern auch damit anspruchsvollere Spieler mit komplizierteren Inhalten konfrontiert werden können, ohne von der Mechanik abgelenkt zu werden. Das bedeutet nicht, dass Mechaniken nicht hin und wieder auch anspruchsvoller ausfallen können. Es sollte nur bedacht werden, dass jede Mechanik zunächst einmal einen Verständnisprozess in Gang setzt, der ein großes Maß an Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.

Quellen

  1. Video: Idea Channel – Are Videogames About Their Mechanics? (2014, en)
  2. Video: Extra Credits – Do Games Have Less Value than Other Media? (2014, en)

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