Wenn wir im Kino sind, tauchen wir ein in das Erlebnis. Medienwissenschaftler sprechen dabei gerne von dem Dispositiv des Kinos. Wichtigster Vertreter dieser Theorie ist Jean Louis Baudry. Ganz simpel bedeutet Dispositiv, dass der Zuschauer die Welt, die vor ihm projiziert wird, als Realität empfindet und den Kinosaal um sich herum vergisst. Nur du und der Film. Alles andere wird vom Zuschauer ausgeblendet. Doch klappt die Umsetzung dieser Theorie nicht immer. Selten ist man allein im Kino. Und nicht immer wollen alle anderen Zuschauer voll vom Film eingenommen werden. Wie unterschiedlich sich diese Tatsache auf das Filmerlebnis auswirken kann, davon möchte ich heute gern erzählen. Ich durfte jüngst mit unterschiedlichen Arten der Zuschauereinwirkung Bekanntschaft machen. (weiterlesen)
Ich wollte das Jahr mal ein bisschen Revue passieren lassen und euch die für mich zehn emotionalsten, traurigsten, herausstechendsten und persönlich besten Lieder zeigen. Gern könnt ihr in die Kommentare eure Lieblingslieder aus dem Jahr 2011 posten. Oder ob ihr lieber Raclette mögt oder Fleisch, das auf dem Stein lag. (weiterlesen)
Ich habe vor ein paar Monaten eine Veränderung an mir festgestellt. Mir ist aufgefallen, dass ich nicht mehr versuche anderen Menschen meine Gefühlswelt aufzudrängen. Zwar rede ich noch, höre nun aber viel mehr zu. Nicke ab und beschäftige mich einfach wieder mit der Tätigkeit, bei welcher ich zuvor unterbrochen wurde. Sollen doch alle machen, was sie wollen. Ich tue es ja auch, doch wenn ich ein Problem habe, es durchdenke, aber trotzdem alles schwierig und nervig bleibt, dann bekommen das nur sehr wenige mit. Ich glaube, dass es die wenigsten interessiert, oder sie mein Problem zu banal finden könnten beziehungsweise auch zu undurchsichtig. Jeder ist auf sich bedacht. Alle wollen berichten, erzählen, gefragt werden! Blöd nur, dass so niemand zum Zuhören und Fragen stellen bleibt, nicht einmal eine dumm grinsende Masse zum Applaudieren bleibt übrig. (weiterlesen)
Manche Filme scheinen keine Helden verdient zu haben. Dort werden den Zuschauern Figuren vorgestellt, wo man versuchen würde ihnen nicht in die Augen zu schauen, wenn sie den Bus betreten würden in den man schon sitzen würde. So eine Person ist auch Joseph, die Hauptfigur des englischen Films „Tyrannosaur.“ Joseph trinkt und prügelt sich durch sein Leben. Wir sehen dabei zu, wie er in einem Tobsuchtsanfall seinen treuen Hund tötet, wir müssen erleben wie er Hausverbot in Läden aufgrund seines ungehobelten Verhaltens bekommt und wir müssen ihn in die Augen schauen. Und das ist wahrscheinlich von all den Szenen das unangenehmste. Wenn die Kamera in einem Close up über Josephs Gesicht mit all seinen Falten fährt und auf seinen blauen Augen haftet, dann erkennt man in seinem Blick den Abgrund in dem er sich befindet. Dort ist so viel Wut, soviel Angst und Verzweiflung.
Und dann stößt Joseph auf Hannah. Und ich hoffe und fürchte gleichzeitig, dass sie seine Rettung sein wird. Hoffe, weil ich mir das Leben von Joseph so wie es ist nicht mehr antun kann. Fürchte, weil es mir zu mustergültig für diese düstere Atmosphäre wäre. Die gutmütige Christin, die den zornigen Mann errettet und auftaut. Harte Schale, weicher Kern. Bitte hier nicht. Und so kommt es auch nicht. Am Anfang zerstören sich beide ihre erbauten Welten. Joseph hat verlernt mit Menschen umzugehen, die ihm einfach nur helfen wollen. Und Hannah ist erschüttert von den Zynismus, den ein Mensch in sich tragen kann.
Ich hoffe meine Heldin in Hannah zu finden. Und werde enttäuscht. Was Hannah daheim bei ihrem Mann erlebt, lässt in mir den Wunsch aufkommen zurückzukehren zu Joseph und seinen Prügeleien. Hannahs Mann, James, zerstört sie. Physisch wie psychisch. Und ich wünsche mir plötzlich ein Klischee herbei. Ich will das Joseph bei Hannah zuhause auftaucht. Ich will, dass er diesem Arschloch James die Fresse poliert. Ich will ihn bluten sehen. Und ich merke, ich bin nun doch in das Loch, wo Joseph schon sitzt, hineingestürzt.
„Tyrannosaur“ tut weh. Selbst der Film kann meist nicht anders, als vor Schlägen zusammen zu zucken und die Szene zu wechseln, bevor man den Aufprall der Faust erleben muss. Und trotz all dieser Gewalt, dieser Aussichtslosigkeit versuchen sich Joseph und Hannah am Ende an einem Lächeln. Doch in ihren Augen kann man noch sehen, dass sie in ihren Löchern festsitzen. Vielleicht haben sie sich einfach damit abgefunden. Und ich kann nicht mehr als herabzublicken und mich zu fürchten, vor der Tiefe dieser Abgründe.